Sie sind hier: Schulseelsorge – Christus-Ikone
Sonntag, 24. September 2017

Würdenträger : weil jeder Mensch Würde trägt

Christus-Ikone aus dem Raum der Stille


Kommt, lasset uns niederfallen


Ein König auf seinem Thron; ein prunkvolles Porträt eines orientalischen Herrschers:
Ein König, ein Scheich? Alles glänzt golden. Christus sitzt auf seinem Thron wie ein Fürst: auf einem Kissen, die Füße gestützt auf ein dunkles Podest.
Ist dieser Fürst mit seinem strengen Blick noch unser Jesus? Ist das der Mann, den wir aus dem Evangelium kennen? Er, der Wohltaten spendend auf Erden wandelte, Diener aller, und der seine Güte mit seinem Leben bezahlen musste? Der Mann, der sich wehrlos wie ein Lamm zur Schlachtbank führen ließ ... Ist Er unser König?

Und doch ... Wenn man genauer hinschaut, kommen beide Bilder immer näher ...
Wenn wir uns an diese stilisierte Abbildung gewöhnt haben, wird unsere Aufmerksamkeit auf das Herz der Ikone gelenkt: der Schoß Christi... das offene Evangelium in der linken Hand ... die rechte zum Segen erhoben. Eigentlich hat dieser streng anmutende Fürst eine sehr offene Haltung:
seine Beine offen entspannt, in Ruhe, einladend zu uns hin ...
Es gibt eine ähnliche Ikone auch von Maria, sitzend in gleicher Haltung. In ihrem Schoß Christus, segnend.
Jetzt sehen wir Christus selbst, wieder segnend, offen zu uns hin. Sein Schoß ist leer, bereit uns aufzunehmen: „Ich bin bei euch." So lautet der Text des aufgeschlagenen Evangeliums. Bei Ihm sind wir willkommen, in Seinem Schoß sind wir geborgen. Wenn wir zu Ihm kommen, wird Er uns segnen, uns tragen, einer neuen Zukunft entgegen. Er ist aber kein gewöhnlicher König, kein Herrscher im alten Sinne des Wortes, kein „Autokrator", nicht einer der – sich seiner Macht bewusst – über andere herrscht, kein Unterdrücker, eher ein Barfußkönig, einladend, segnend, tragend: Er, der alles in Händen trägt: „Pantokrator".
Er ist ein Herrscher, unter dem ich gerne stehen möchte. Jemand, zu dem ich gerne gehören will, vor dem ich mich gerne beugen will.
Er ist derjenige, der kam, um Gott zu zeigen: „Er, der ist", Jahwe: Ich werde da sein für dich.
Bei diesem König fühle ich mich willkommen.
Er darf mein Meister sein:
Kommt, lasset uns anbeten und niederfallen vor Christus, unserem König, unserem Gott.
Aus: Lidy Schuh, Licht Von Innen, Ikonen für uns heute, Würzburg 2003, S. 17