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Sonntag, 24. September 2017

Würdenträger : weil jeder Mensch Würde trägt

29. März 2017, 11.37 Uhr Alter: 179 Tage

Lieber Staub an den Füßen als Staub am Hintern

 

Misereor-Gast erzählt aus seinem Heimatland Burkina Faso

Quelle: Bischöflich Münstersches Offizialat Vechta, Pressemeldung

 

Abdoulaye Sanfo ist zum ersten Mal in Deutschland. Was er in den letzten Tagen in einigen Bistümern gesehen hat, hat ihn schwer beeindruckt. „Das Land ist so reich an Geschichte, an alten Bauwerken“, sagt er. „Man sieht, dass die Menschen hart dafür gearbeitet haben.“ Besonders beeindruckt hat ihn alles zum Thema Landwirtschaft, auch wenn nicht alles so in seinem westafrikanischen Heimatland umzusetzen wäre. Sanfo weiß, wovon er spricht. Der vierfache Familienvater ist selbst Bauer und bringt zudem als Berater einer Bauernorganisation anderen Bauern Innovationen in Sachen Landwirtschaft nahe. Dass das bischöfliche Hilfswerk Misereor diese Arbeit so wichtig fand und ihn, einen Moslem, im Vorfeld der diesjährigen Fastenaktion als Botschafter seines Heimatlandes nach Deutschland einlud, erfüllt ihn mit großem Stolz. In der Oldenburger Liebfrauenschule hörten ihm heute 140 Acht- und Zehntklässler und der Religion-Leistungskurs gespannt zu und löcherten ihn mit Fragen, als er über die Lebensbedingungen in Burkina Faso sprach.


Abdoulaye Sanfo mit Übersetzerin Melinda Meisel. Links Ulrich Jost-Blome von der Fachstelle Weltkirche des Bistums Münster.

Obwohl in dem Land am Rande der Sahelzone, das fast Dreiviertel der Fläche Deutschlands hat, kaum Regen fällt, leben 80 Prozent der 19 Millionen Einwohner von Land- und Viehwirtschaft, erzählte Sanfo. Angebaut werden Hirse, Baumwolle, Mais und Bohnen, dazu werden Rinder und Schafe gezüchtet. Die Bevölkerung hat es nicht leicht, dem kargen Boden Erträge abzuringen. Alles geht per Hand, Maschinen gibt es kaum. Umso wichtiger ist es, die Erträge in kleinen Schritten zu steigern. Hierzu sind Forschung und lokale Aufklärung nötig. Wie Rinder gegen Hautkrankheiten behandelt, wie Eier in der Wärme ausgebrütet oder wie schädliches Unkraut mit natürlichen Mitteln bekämpft werden kann - über einhundert solcher Innovationen hat Diobass, die Organisation, die mit Unterstützung von Misereor arbeite und in deren Auftrag Sanfo die Bauern schule, schon entwickelt. Die Menschen in seinem Heimatland seien voller Energie und wissbegierig, erzählt er. Über 50 Prozent der Bevölkerung sind unter 17 Jahren. Nur wer sich hängen ließe, habe verloren. Das westafrikanische Sprichwort „Lieber Staub an den Füßen als Staub am Hintern“ drücke das ganz treffend aus, sagte Sanfo.

Auf die Frage eines Schüler, wie man die Misereor-Fastenaktion noch anders unterstützen könne als mit Geld, meinte er: „Wir müssen selbst lokale Lösungen finden, brauchen aber immer Hilfe bei Forschungen und Ideen.“ Doch er ist auch überzeugt, dass Ansätze zur Verbesserung der Lebensbedingungen aus der eigenen Bevölkerung heraus kommen müssten. Konzepte von außen überzustülpen bringe nichts. Deutschland und das katholische Hilfswerk Misereor hätten das im Gegensatz zu vielen anderen Ländern und Organisationen erkannt und handelten auch danach, betonte Abdoulaye Sanfo mit Respekt.



Fastenaktion 2017
Die diesjährige Fastenaktion des bischöflichen Hilfswerkes Misereor steht unter dem Motto: „Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen.“ Im Mittelpunkt steht das westafrikanische Land Burkina Faso. Die deutschen Bischöfe bitten alle Gläubigen darum, diese Arbeit mit einer Spende am kommenden Misereor-Sonntag (2. April) zu unterstützen.
Weitere Infos unter: www.misereor.de

Ludger Heuer

Quelle: Bischöflich Münstersches Offizialat Vechta, Pressemeldung