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18. Mai 2020

Datenschutz ist kein Luxusproblem

Johanna Tapper (12. Jg.) schreibt in der NWZ und in der LFZ

Quelle: NWZonline

Gastkommentar – Freitag für Meinung

So häufig das Thema Datenschutz in unserem Alltag auch auftaucht, unser Umgang mit ihm ist stets mit einer Prise Fatalismus und Bequemlichkeit versehen. Sollen wir wirklich gleich Suchmaschine und Nachrichtendienst wechseln, nur weil Google und Facebook unsere Geburtstage und Arbeitswege kennen? Da scheinen die paar abgegebenen Daten doch nicht wirklich zu persönlichen Nachteilen zu führen. Und sind persönlich zugeschnittene Werbungen und passende Suchvorschläge auf YouTube nicht auch manchmal nützlich? Mag sein.

Aber die Wichtigkeit von Datenschutz geht weit über diese Fragen hinaus: Daten werden häufig sehr bildhaft als die neue Währung des digitalen Zeitalters bezeichnet. Und an dieser Formulierung ist mehr dran als uns lieb sein dürfte.

Daten sind die Währung, mit der Internetnutzer ihre scheinbar kostenlosen Anwendungen im Internet bezahlen. Dabei müssen wir darüber nachdenken, wie absurd es ist, wer letztendlich von unseren Daten profitiert. Es sind nicht die Wissenschaftler, die technische Datenerfassung erst möglich gemacht haben, nicht die Bürger, denen die Daten eigentlich gehören, nur Konzerne, die technische Errungenschaften in eine Geschäftsidee verpackt haben. Statt über generelle Datendezentralisierung oder einen transparenten Datenpreis nachzudenken, und damit auch kleineren Unternehmen und Bürgern Vorteile aus dem Datenmarkt ziehen zu lassen, werden bisherige Regelungen nicht hinterfragt. Damit herrscht auf dem Datenmarkt ökonomische Ungerechtigkeit.

Die Daten garantieren heutzutage aber nicht mehr nur reinen finanziellen Profit. Längst können aus ihnen politische Profile erstellt werden. Unsere politischen Meinungen werden durch Algorithmen gesteuert, und von den wenigen Händen derjenigen, die die Software programmieren und über diese verfügen.

Die politische Willensbildung verschwimmt mit ökonomischen Interessen, wird angreifbar für antipluralistische Einzelinteressen und unterliegt so immer weniger den Regeln und Werten der Demokratie. Damit gerät Datenschutz nicht nur in die Verantwortung, die Privatsphäre, sondern auch die politische Identität eines Bürgers zu schützen.

Kurz und bündig: Regulatoren für den Umgang mit Daten dürften darüber entscheiden, wer vom technischen Fortschritt der Zukunft profitiert. Das Thema muss einen höheren Stellenwert im politischen Diskurs und in der öffentlichen Meinung einnehmen, damit Datenhandel und Überwachungsstaaten nicht die Demokratie gefährden.